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Outtakes

Heute geht das Taschenbuch in die Herstellung. Mit drin: drei frische Texte. Und wie immer gibt es ein paar Sätze und Passagen, die es nicht in den fertigen Text geschafft haben. Outtakes sozusagen.

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10. April 2014

Richtig wäre gewesen, sich wie eine hässliche Frau zu benehmen, die so tut, als wäre sie die schönste Frau der Welt. Aber das konnten wir nicht.

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Ich trauerte wie eine Mutter, die plötzlich ihr Kind verloren hat und trotzdem jeden Abend die leere Wiege schaukelt.

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Wann immer jemand in seiner Gegenwart von Einmachrezepten geredet hatte, von Online-Strickkursen oder vom Sauerteigzüchten, wurden seine Lippen schmal und gepresst. Und er setzte einen Blick auf, als wolle er sagen: Auf eurer Vorstellung vom Leben liegen drei Instagram-Filter. Würde euer Yogalehrer es verlangen, ihr würdet noch nach Kursschluss ein Rad vor ihm schlagen und er sähe dabei doch nur die Spuren, die das Creditpointzählen und eure Zukunftsangst in eurer Figur, in eurem Gang und auf euren Gesichtern hinterlassen hat. Eure Selbstpflege ist nichts weiter als Eskapismus, ihr müht euch ab, eurem Leben Bedeutung und Schönheit zu verleihen, und bleibt aber gerade dadurch das, was ihr nicht sein möchtet: dressiertes Mastvieh.

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Aber alles, was ich fühle, ist Hass und Neid auf eine Welt und ihre Insignien, die mich erst assimiliert und dann wieder ausgeschieden hat, um sich ihrer eigenen Rechtschaffenheit zu vergewissern.

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Die schlichten Verhältnisse, in denen er früher gelebt hatte, waren selbstgewählt und temporär – und das war immer klar. Es gibt ein Alter und ein dazugehöriges Milieu, in dem ist es cool, seine Bücher auf dem Boden zu stapeln, verschiedenfarbige Socken zu tragen und am Monatsende nur noch Nudeln mit Pesto zu essen und trotzdem an jedem Wochenende mehrfach zweistellige Clubeintrittsgelder zu bezahlen; und dieses Alter geht vorbei. Ich konnte nur nicht glauben, dass diese Erbschaft bei Lorenz dazu geführt haben sollte, dass er nicht nur seinen Lebensstil geändert hatte, sondern auch seine Überzeugungen. 

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Die anderen sind ständig vor meinem Haus. Manchmal sind sie schwer oder gar nicht zu erkennen, man kann sich nie sicher sein. Die anderen sind die anderen, weil sie zu den anderen gehören und sie kommen direkt aus der Hölle. Klar ist, wer einen schwarzen Kapuzenpulli trägt, ist einer von ihnen. Eine schwarzrahmige Brille und dazu eine schwarze Arzttasche ist auch ein klarer Fall. Manche tragen aber auch nur schwarze Socken, das sind Spezialkräfte, sie sind nur zu erkennen, wenn sie sitzen und ihnen die Hosenbeine hochrutschen.

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Genau wie mit ihrer Kleidung versuchten Lorenz Freunde auch im Gespräch zu transportieren: Was man sich gönnt, ist eine Haltungsfrage.